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        Müssen Bilder alle Fragen beantworten?

        „Ham, ein perfektes Bild muss alle Fragen beantworten.“ Hmm…. dachte ich und sagte:  „Dann ist das Bild für mich nur kurzweilig interessant!“

        Wenn ein Bild alle Fragen beantwortet, wird das Bild für den Betrachter wahrscheinlich langweilig oder uninteressant. Anders ausgedrückt: Ich werde mir das Bild nicht immer wieder anschauen wollen… einmal angeschaut und abgehakt – schade um das Bild.

        Vor einiger Zeit war ich in Paris im Louvre. Vom Hören sagen wusste ich, dass die Mona Lisa dort hängt, aber mich hatte das Gemälde nie interessiert – bis ich es dann gesehen habe und jede Menge Fragen hatte. Überrascht von der Größe des Bildes (ich dachte immer es ist ein rießen Gemälde) wirft das Bild eine Frage nach der anderen auf. Angefangen von ihren Augen und das Nichtvorhandensein ihrer Augenbrauen, ihr zweideutiges Lächeln bis zur allgemeinen Wirkung des Bildes auf mich – ist sie nun nahbar oder doch zurückweisend? Im Laufe der Jahre wirft die Mona Lisa mehr Fragen auf als es beantwortet und ist in jedem Munde und weltbekannt. Es gibt viele Theorien über dieses Bild, doch leider keins von mir. Fakt ist, man muss in das Bild hineinschauen.

        Immerwieder erlebe ich Personen, die in die digitalen Dateien hinein zoomen und sagen: … oh, das Bild rauscht, es ist ja garnicht 100% scharf, dieser Schatten da müsste weg retuschiert werden, die Linie da, die Linie dort und, und, und …! Schade, denn manche bilden daraus ihre Meinung, ob ein Bild perfekt oder nicht perfekt ist. Wenn ich sage, wir müssen in die Bilder hineinschauen meine ich nicht, dass man in digitale Dateien hinein zoomen soll. Nein, man soll die Seele des Bildes erfassen.

        Ich finde ein großartiges Bild darf nicht jede Frage beantworten. Nur so beschäftigt man sich öfters mit diesem Bild. Also, ich rede hier von einem wiederkehrenden Betrachter – weil er einfach das Bild verstehen möchte.

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        Versteht mich nicht falsch, auch ich mache mir natürlich Gedanken, wie ich eine Idee so gut wie möglich umsetzen kann und die, die mich kennen wissen, dass ich mit Herzblut und Leidenschaft an meine Projekte herangehe und buchstäblich leide. 🙂 Für mich ist wichtig, dass ein Bild dein Herz, mein Herz ergreift und das ganze mit Emotionen und Erinnerungen kombiniert und nicht nur auf technische “Perfektion” basiert. Konstruktive Kritik ist eine Bereicherung, jedoch sollte ein Bild nicht zerredet werden sondern angeschaut werden. Bitte lasst auch Zeit und Raum für das Bild und erlaubt es ihr ihre eigene Geschichte zu erzählen.

        Wie bei vielen anderen Sachen auch, bemüht man sich als Fotograf, sein Bestes zu geben und steckt sich von Projekt zu Projekt hohe Ziele. Doch nehme ich des öfteren in Gesprächen wahr, dass vorallem viele, die mit der Fotografie beginnen, die Perfektion in ihren und in Bildern von anderen auf einmal suchen. Ich habe den Eindruck, dass solche Art von Perfektionismus einen Dauerstress verursacht.

        Gerne gehe ich auch auf solche und andere Themen bei meinen Einzelcoachings bzw. Workshops ein. Blende und Verschlusszeit ist schnell gelernt, aber bekanntlich ist das ja nicht das Problem, sondern die Person hinter der Kamera.

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        BY:
        HAM.